Auch wenn wir uns höchstwahrscheinlich alle zu der aufgeklärten Generation zählen würden, gibt es da doch noch einiges an Aufholbedarf. Darum findet ihr hier auch die fünf größten Sex-Mythen und was dahintersteckt!

Die Sex-Toy-Firma We-Vibe hat sich mit Sextherapeutin Julia Henchen zusammengetan, die erklärt, was wirklich Sache ist.

1. Das Jungfernhäutchen verschließt die Vagina

Der Begriff “Jungfernhäutchen” lässt oft das Bild von einer Haut entstehen, die den Vaginalkanal wie Frischhaltefolie verschließt. Dass dies aber nicht unbedingt der Wahrheit entspricht, erklärt die We-Vibes Sexual Wellness Expertin Julia Henchen: „Manche Menschen besitzen ein Hymen, das ist ein Schleimhautkranz, welcher den Vaginaleingang umrandet, aber nicht verschließt. Das sogenannte Hymen ist dehnbar und bei den meisten Menschen, die eines besitzen, verändert sich der Hymen auch durch eine vaginale Geburt nicht.”

Wenn es beim Sex also blutet, dann nicht, weil das Jungfernhäutchen gerissen ist, sondern wahrscheinlich, weil zu wenig Feuchtigkeit vorhanden ist. Julia Henchen stellt klar: „Es gibt kein Jungfernhäutchen und es kann auch niemand nachvollziehen, ob du schon einmal penetrativen Sex hattest oder nicht.”

2. Richtigen Sex gibt es nur bei einer Penetration

Natürlich kann das Gefühl der Penetration großartig sein. Zudem kann man seinem Partner bzw. seiner Partnerin physisch auch nicht viel näher kommen, als in diesem Moment. Vor allem Menschen mit Penis können dabei gut zum Orgasmus kommen. Das sieht bei jenen mit Klitoris jedoch etwas anders aus. Das beweist auch eine Umfrage von We-Vibe.

Dabei gaben 48,5 Prozent der Teilnehmerinnen mit Klitoris an, dass sie beim Sex mit Partner immer bis fast immer zusätzliche klitorale Stimulation benötigen, um einen Orgasmus zu erleben. Sex ist so vielfältig und kann so viel mehr als Penetration sein. Julia Henchen erklärt: „Sex ist dann Sex, wenn du es als Sex definierst. Egal ob ihr euch berührt, anschaut oder Penetration habt – all das ist Sex”.

3. Masturbieren schadet der Beziehung

Das mit dem Masturbieren ist so eine Sache. Während die einen gar nicht genug davon bekommen können, ist es für die anderen scheinbar immer noch ein großes Tabu-Thema. Was denken die anderen nur? “Darf” ich das überhaupt noch machen, wenn ich in einer Beziehung bin? An dieser Stelle müssen wir mal festhalten: Es gibt keine Regeln für Solo-Sex! Wem danach ist, der soll nicht damit zögern. Schließlich ist es bewiesen, dass Masturbieren den Stress lindert und für ein besseres Immunsystem sorgt!

Viele fürchten jedoch, dass Masturbation in einer Beziehung ein schlechtes Zeichen ist. Julia Henchen sieht das anders: „Es ist vollkommen normal und gut, wenn du weißt, was du willst und was nicht. Solosex hilft bei der Selbstfindung und unterscheidet sich grundlegend vom Sex mit dem/der Partner:in. Es bedeutet also nicht, dass Masturbation intime Momente zu zweit ersetzen oder damit in Konkurrenz stehen.” Ganz im Gegenteil, „den eigenen Körper, Vorlieben und Bedürfnisse zu kennen, kann die Partnerschaft stärken”, ergänzt die Expertin.

4. Während der Periode kann man nicht schwanger werden

Auch Sex während der Periode befindet sich leider immer noch zu tief in der Tabuzone. Jedoch empfinden einige Frauen in dieser Zeit besonders viel Lust und möchten nicht darauf verzichten. Die Frage, die sich hier viele stellen: Muss man während der Periode überhaupt noch verhüten? Ja! Die We-Vibe Sex-Expertin rät zur Vorsicht, denn „die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden ist zwar nicht sehr hoch, aber auch während der Menstruation können Menschen fruchtbar sein. Und eine Geschlechtskrankheit kann man sich immer holen, daher sollten Paare auch während der Menstruation verhüten.”

Was jedoch nicht heißen soll, dass intime Momente in dieser Zeit ausbleiben sollen. Ganz im Gegenteil, denn laut der von Womanizer durchgeführten “Menstrubation”-Studie lindern Orgasmen sogar auftretende Regelschmerzen.

5. Männer haben immer Lust auf Sex

Auch wenn es so scheint, als hätten Männer öfter und mehr Lust auf Sex, hat die Lust nicht unbedingt etwas mit dem Geschlecht zutun. Das weiß auch die Sextherapeutin: „Unabhängig vom Geschlecht ist es völlig normal auch mal keinen Sex zu wollen und es bedeutet nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt. Lust oder Unlust hat vielmehr etwas damit zu tun, welchen Zugang wir zu unserer Sexualität haben“, meint Julia Henchen.

via GIPHY